Frauentag

Höchste Zeit für Gerechtigkeit

Der 5. Frauentatag der IG BCE stand ganz im Zeichen der Lebensphasenorientierung, für Frauen wie für Männer. Überall aus Deutschland sind Frauen – und Männer – angereist, um miteinander und mit Vertretern von Wirtschaft, Politik und Arbeitgebern Zukunft zu gestalten.

Nicole Strasser

Rund 400 Teilnehmerinnen und Teilnehmer sind beim 5. Frauentag dabei. Rund 400 Teilnehmerinnen und Teilnehmer sind beim 5. Frauentag dabei.
30.06.2016
  • Von: Julia Osterwald

Sie sind sich einig, die rund 400 Teilnehmerinnen und auch Teilnehmer des 5. Frauentags der IG BCE: Die bestehenden Arbeitszeitmodelle sind unzeitgemäß und zu wenig flexibel. Die Bedürfnisse der Beschäftigten finden zu wenig Beachtung, die Vorstellungen von Arbeitnehmern und Arbeitgebern liegen zu weit auseinander. Höchste Zeit also, miteinander zu reden, Perspektiven und Möglichkeiten zu diskutieren, sich einander anzunähern. Dazu hat die IG BCE nicht nur Gewerkschafterinnen, sondern auch Vertreter aus Wissenschaft, Politik und von Arbeitgeberseite Ende Mai nach Hannover eingeladen.

"Höchste Zeit für Frauen" lautete das Motto der dreitägigen Veranstaltung. Folgerichtig standen Themen wie Lohngerechtigkeit, Rückkehr von Teilzeit in Vollzeit, mehr Frauen in Führungspositionen und Aufsichtsräten auf der Agenda – Themen, die alle auf einen zentralen Begriff hinführen: "Chancengleichheit". Warum Chancengleichheit so wichtig ist, machte die stellvertretende IG-BCE-Vorsitzende Edeltraud Glänzer deutlich: weil sie die adäquate Antwort auf den demografischen Wandel, auf Arbeit 4.0 darstelle. Und vor allem: "Chancengleichheit bedeutet Gerechtigkeit."

Aber es ging an diesem Wochenende nicht alleine um die Frauen und ihre Belange, sondern auch um die Gestaltung bedarfsgerechter (guter) Arbeit für alle Beschäftigten. "Heute ist die Lastenverteilung ungerecht" gab der IG-BCE-Vorsitzende Michael Vassiliadis zu bedenken, betonte jedoch: "In den Karrieren und Entwicklungslinien beider Geschlechter müssen besondere Lebensphasen anschlussfähig und flexibler sein." Gerade in Zeiten, in denen über Fachkräftemangel, Innovation und Zukunft geredet werde, sei es absurd, solche vergleichsweise trivialen Dinge nicht zu regeln.

Nicole Strasser

Andrea Nahles, Bundesarbeits- und Sozialministerin Andrea Nahles, Bundesarbeits- und Sozialministerin: ""Wir brauchen atmende Arbeitszeiten über die gesamte Erwerbsbiografie hinweg, angepasst an die unterschiedlichen Lebenslagen."

Zumindest den Wunsch und Willen, gesetzliche Lösungen zu finden, gibt es, das machte Bundesarbeits- und Sozialministerin Andrea Nahles deutlich. Sie war nicht zuletzt nach Hannover gekommen, um für ihr Modell der "Wahlarbeitszeit" zu werben: "Wir brauchen atmende Arbeitszeiten über die gesamte Erwerbsbiografie hinweg, angepasst an die unterschiedlichen Lebenslagen", sagte sie – und forderte, daran in einer gemeinsamen Anstrengung auf gesetzlicher, tariflicher und betrieblicher Ebene zu arbeiten.

Prominente moralische Unterstützung erhielten die Gewerkschafterinnen auch von Niedersachens Ministerpräsident Stephan Weil und Hannovers Oberbürgermeister Stefan Schostok. Die parlamentarische Staatssekretärin Caren Marks brachte aus dem Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend eine vielversprechende Botschaft mit: Lohngerechtigkeit solle bald per Gesetz gefördert werden. Dass vielerorts Gerechtigkeit und Chancengleichheit schon gelebt werden, zeigten Beispiele aus der betrieblichen Praxis. Acht Unternehmen stellten in kurzen Filmen vor, was sie dafür tun. Sie haben, wie inzwischen 40 weitere Betriebe, die auf dem Frauentag 2012 verabschiedete Charta der Gleichstellung unterschrieben und sich dazu verpflichtet, für mehr Chancengleichheit zwischen Frauen und Männern zu sorgen.

Damit auch andernorts Bedingungen für Gute Arbeit und Geschlechtergerechtigkeit geschaffen werden, setzt sich die IG BCE weltweit für Frauen und deren Belange ein. So wurde jetzt gemeinsam mit Terre des Femmes das Projekt "Bildung schafft Integration" auf den Weg gebracht, das Flüchtlingsfrauen darin unterstützt, sich in Deutschland besser zurechtzufinden, sich zu informieren und einen Zugang zu Bildung zu befinden. Auf dem Frauentag wurde das Projekt jetzt erstmals vorgestellt.

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