Fünfter Frauentag in Hannover

"Höchste Zeit für Frauen"- Motto des Frauentages der IG BCE

Glänzer: "Höchste Zeit für Gerechtigkeit" - Gleicher Lohn für Frauen und Männer sowie Rückkehrrecht von Teilzeit auf Vollzeit bald per Gesetz


Nicole Strasser, 2016

Fünfter Frauentag in Hannover Allein 45 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Hessen-Thüringen stritten für gerechtere Arbeitsbedingungen für Frauen

Frauen sind heute hochqualifiziert und gut ausgebildet. Dies spiegelt sich allerdings nicht in deren Erwerbsbiografien wieder. Nach wie vor bedeutet die Kinderpause laut dem Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) für Frauen oft das Ende der Karriere. Viele tappen danach in die sogenannte ”Teilzeitfalle”, aus der sie nicht mehr herausfinden, so das IAB.

Gleichzeitig beklagt sich die Wirtschaft darüber, dass sie weibliche Führungskräfte nicht besetzen kann. Nur 21% der Unternehmen gelang es laut einer aktuellen Studie der Beratungsgesellschaft EY, 30 % ihrer Führungspositionen mit Frauen zu besetzen, wozu sie seit Anfang des Jahres per Gesetz verpflichtet sind.

Es sei “absurd, dass wir in einem Land, in dem man über Fachkräftemangel, Innovation und Zukunft” rede, solche vergleichsweise trivialen Dinge nicht geregelt bekommen, sagt Michael Vassiliadis, Vorsitzender der IG BCE.

Heutige Arbeitszeitmodelle seien “unzeitgemäß”, da sie nicht an der Lebenswirklichkeit von Frauen ausgerichtet sind, so lautete auch der allgemeine Tenor des fünften Frauentages, zu dem die IG BCE nach Hannover geladen hatte.

Etwa 400 Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter waren bundesweit, davon allein 45 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Hessen-Thüringen in die niedersächsische Landeshauptstadt gereist, um mit Politikerinnen, Wissenschaftlerinnen und Arbeitgebervertreterinnen über neue Beschäftigungsmodelle zu diskutieren. Hierbei ging es vor allem um eine bessere Vereinbarkeit für Frauen von Familie und Beruf.

40 Unternehmen hatten auf dem vergangenen Frauentag die Charta der Gleichstellung unterschrieben. Sie verpflichteten sich darin freiwillig, sich etwa für mehr Entgeltgleichheit, gleiche Entwicklungsmöglichkeiten für Frauen und mehr Frauen in Führungspositionen in den Betrieben einzusetzen.

Vieles war seither geschehen. Acht Unternehmen stellten etwa ihre Maßnahmen für eine bessere Kinderbetreuung vor. Auf diesem Frauentag waren darüber hinaus vor allem gesetzliche Regelungen im Gespräch.

Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles warb für “atmende Arbeitszeiten”, die an unterschiedliche Lebensweisen angepasst sein sollten. Es gehe um “mehr Zeitsouveränität”. Sie sprach sich für ein Rückkehrrecht von Teilzeit auf Vollzeit aus. Ein solches Gesetz sei derzeit im Arbeitsministerium in Vorbereitung.

Da Frauen sehr oft Teilzeit arbeiteten, seien sie nach wie vor mehr als Männer von Altersarmut bedroht, darauf verwies die stellvertretende Vorsitzende der IG BCE, Edeltraud Glänzer: “hier brauchen wir Lösungen”. Auch wenn Frauen in Tarifverträgen nicht per se benachteiligt seien, würden sie oft schlechter eingruppiert und dementsprechend niedriger bezahlt.

Der Lohnabstand zu Männern betrage nach wie vor 21%, bestätigte Staatssekretärin Caren Marks vom Bundesministerium für Familie, Jugend, Frauen und Senioren. Sie stellte ein Lohngerechtigkeitsgesetz für mehr Entgeltgleichheit in Aussicht.

Andere Teilnehmer warben vor allem für ein Umdenken in der Personalpolitik, wie etwa Michael von Bronk, Personalvorstand der Vattenfall Europe Mining AG und Vattenfall Europe Generation AG, der auf dem Frauentag das Talentförderungsprojekt FAME für Frauen zwischen 40 und 55 Jahren präsentierte. Frauen seien in diesen Jahren in der Regel hochqualifiziert, sehr motiviert und engagiert. Sie stellten als solche “einen ungenutzten Pool an Fachkräften” dar. Leider würden sie von den Personalverantwortlichen in diesem Alter “nicht mehr wahrgenommen”. Hier gelte es, in der Personalpolitik von dem “Jugendwahn” wegzukommen.

Ein ähnlichen Ansatz bietet das Modell 50 plus der IG BCE, welches ebenfalls auf die Weiterqualifikation älterer weiblicher Beschäftigter setzt. Glänzer warb vor allem für stärkere Betriebsräte in den Unternehmen und ermutigte Frauen, als solche zu kandidieren. Die Erfahrung habe gezeigt, dass überall dort, wo es Tarifverträge, starke Betriebsrätinnen und Betriebsräte gäbe, die Lohnunterschiede geringer seien.

Und, wie die stellvertretende Vorsitzende Edeltraud Glänzer der IG BCE in ihrer Rede auf den Punkt brachte: “Es geht vor allem nochmal um Gerechtigkeit.”

 

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