Interview

An Themen dranbleiben

Nur zehn Prozent der Beschäftigten bei Lanxess in Krefeld-Uerdingen sind weiblich. Trotzdem kommen Frauenthemen hier nicht zu kurz. Manuela Strauch, Betriebsratsvorsitzende bei Lanxess, setzt sich für die Frauen im Betrieb ein. Doch nicht nur dort sorgt sie dafür, dass bestimmte Themen verfolgt werden. Auch im Frauenausschuss des IG-BCE-Bezirksvorstands Moers ist sie aktiv.

IG BCE

Manuela Strauch ist Betriebsratsvorsitzende bei Lanxess in Krefeld-Uerdingen und Mitglied im IG-BCE-Bezirksvorstand Moers, dessen  Frauenausschuss sie vorsitzt.
06.03.2015
  • Von: Sigrid Thomsen

Gibt es im Unternehmen Lanxess Bereiche, in denen Frauen benachteiligt werden?

Bei uns sind nur etwa zehn Prozent der 1800 Beschäftigten Frauen. Die Männer arbeiten überwiegend in der Produktion, Frauen eher im Labor oder Büro, und einige Chemikantinnen in der Produktion. Die Eingruppierung ist für Männer und Frauen gleich. Benachteiligt fühlen sich Frauen manchmal beim Aufstieg. Projektleitungen und andere Führungspositionen werden eher an Männer vergeben.

Was wird dagegen getan?

Wir halten das Thema im Gespräch, es geht ja um eine Änderung der Einstellungen. Manche Kollegen erwarten, dass Frauen wegen Kinderbetreuung zu oft ausfallen oder auf Teilzeit gehen wollen. Dafür muss man Lösungen finden. Eine Chemikantin zum Beispiel möchte jetzt nach der Elternzeit  in der vollkontinuierlichen Wechselschicht weiter Teilzeit arbeiten. Das konnte sich bisher niemand vorstellen, aber wir befürworten es. Es gibt auch Männer, die daran interessiert sind!

Hilft die Gewerkschaft den Frauen?

Die Unterstützung der Gewerkschaft ist wichtig, um solche Themen voranzubringen. Im Frauenausschuss und in Netzwerken kann man vieles diskutieren und nach dem richtigen Weg suchen. Manchmal braucht es einen Blick von außen. Es wäre allerdings leichter, Frauen und auch Männer für die Gewerkschaft zu gewinnen, wenn Nicht-Mitglieder nicht ebenfalls in den Genuss sämtlicher Vorteile kämen!

Befasst sich der Betriebsrat häufig mit Frauenfragen?

Es wenden sich nicht viele Frauen an uns, weil sie sich benachteiligt fühlen. Die Gesprächsatmosphäre im Betriebsrat ist aber von Frauen stark mitgeprägt, sechs der 17 Mitglieder sind weiblich. Das verändert die Themen und Sichtweisen ganz automatisch. Der Umgang ist in gemischten Gruppen erfahrungsgemäß besser.

Wäre eine Quotenregelung hilfreich für die Mitbestimmung?

In den Aufsichtsräten brauchen wir offensichtlich eine Quote, das dauert sonst Jahrzehnte, bis die entscheidenden Männer wirklich nach Qualifikation gehen und nicht einfach andere Männer dazu holen. Ansonsten bin ich eher für freiwillige Lösungen wie die 30/30/30-Maßgabe der Gewerkschaft. Das funktioniert bei uns gut. Wir haben viele engagierte Frauen, die Verantwortung übernehmen wollen.

In der Chemie-Tarifrunde geht es gerade um die an Lebensphasen orientierte Arbeitszeitgestaltung. Ist das ein Frauenthema?

Nein, überhaupt nicht! In der Produktion ist es ein Männerthema, viele wünschen sich bei der anstrengenden Schichtarbeit mehr Erholung und wollen aus dem Erwerbsleben langsam ausgleiten. Pflegezeiten in der Familie allerdings werden klassischerweise von Frauen übernommen.

Gibt es bei Lanxess eine Vereinbarung darüber?

Wir haben schon seit Jahren eine Vereinbarung „Pflege von Angehörigen und Vereinbarkeit mit dem  Beruf“, die zum Teil vorweggenommen hat, was jetzt gesetzlich geregelt ist: einen Anspruch auf zehn freie Tage, wenn in der Familie kurzfristig jemand Hilfe braucht. Davon müssen sogar nur acht Tage nachgearbeitet werden. Damit haben wir gute Erfahrungen gemacht. Wir haben auch eine „Pflegeteilzeit“ vereinbart, wenn es länger dauert. Das funktioniert mit der Bezahlung in der Art wie die aktive und passive Phase bei vorzeitigem Ruhestand.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund hat zum Internationalen Frauentag den Mindestlohn zum Thema gemacht. Spielt der bei Lanxess eine Rolle?

Nein, wir haben klassische Entgeltgruppen; auch mit Zeitarbeitsfirmen oder Werkverträgen haben wir nur in geringem Umfang zu tun. In anderen Arbeitsfeldern der Gesellschaft aber sind ja sehr viele Frauen in Minijobs beschäftigt, für sie ist der Mindestlohn wichtig. Er ist ein Schritt in die richtige Richtung, und er zeigt ja auch: Wenn man ein Thema lange genug diskutiert, kann man damit Erfolg haben.         

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