Ende des Steinkohlenbergbaus

Ibbenbüren nimmt Abschied von der Steinkohle

Nach einer letzten symbolischen Förderung hat sich der Steinkohlenbergbau im Tecklenburger Land aus Ibbenbüren verabschiedet. Die Bergleute brachten am Gedenktag der heiligen Barbara, der Bergbau-Schutzpatronin, das letzte Fördergefäß zutage.

Christian Burkert

Bergleute zusammen mit der letzten Steinkohle, die in Ibbenbüren gefördert wurde. Bergleute zusammen mit der letzten Steinkohle, die in Ibbenbüren gefördert wurde.
05.12.2018
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Als das Einschlagsignal ertönt, ist die Ruhe in der Schachthalle des Ibbenbürener Bergwerks beinahe erdrückend. Die Geräusche der Maschinen werden lauter und die Skipanlage bringt das Fördergefäß ans Tageslicht. Nach 500 Jahren Bergbau in Ibbenbüren ist es die letzte Steinkohle, die im Beisein des Ministerpräsidenten zutage gebracht wird.

Passend zum Gedenktag der heiligen Barbara, der Bergbau-Schutzpatronin, hat sich der Steinkohlenbergbau am Dienstag aus dem Tecklenburger Land verabschiedet. Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Armin Laschet hat es sich nicht nehmen lassen, die Veranstaltung zum Ende der traditionsreichen Zeche zu besuchen. Mit ihm sind viele gekommen, um den Bergleuten Respekt und Anerkennung für das geleistete auszusprechen. Unter anderem der Vorsitzenden der IG BCE, Michael Vassiliadis, die Bürgermeister aus dem Tecklenburger Land, Vertreter der RAG sowie weitere Gewerkschaftsvertreter und Betriebsräte.

Der Ministerpräsident sprach in seiner Rede von einem „traurigen Tag für NRW“ und erinnerte an die Einsatzbereitschaft der Kumpel. „Ich wünsche mir, dass die Leistungen der Bergleute nicht in Vergessenheit geraten. Denn auch wenn es heute weitaus sicherer ist, darf man eben nicht vergessen, dass die Kumpel noch vor 50 Jahren ihre Gesundheit und ihr Leben für unser aller Energieversorgung riskiert haben.“ Um die Zukunft der Region müsse man sich angesichts der guten Arbeitsmarktlage keine Sorgen machen. Das keiner der Betroffenen ins Bergfreie falle, sei ein Verdienst der partnerschaftlichen Zusammenarbeit von RAG, IG BCE und Betriebsräten.

  • Die Bergleute bringen das letzte Fördergefäß zutage.
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    Christian Burkert

    Die Bergleute bringen das letzte Fördergefäß zutage.

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In den 1950er-Jahren arbeiteten etwa 12.000 Menschen in dem Bergwerk. 2018 waren es noch mehr als 750 Bergleute, die gemeinsam über 800.000 Tonnen hochwertige Anthrazitkohle gefördert haben. Mit einer Tiefe von etwa 1600 Metern ist der Nordschacht der RAG Anthrazit Ibbenbüren GmbH einer der tiefsten Schächte Europas. Die geförderte Kohle wird vor allem für die regionale Stromerzeugung in dem benachbarten Kohlekraftwerk gebraucht. Künftig wird der Strom dort aus importierter Kohle erzeugt.

„Der Bergbau und die Kumpel waren in den letzten Jahrhunderten Motor des wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Fortschritts. Sie hinterlassen kulturell, politisch und wirtschaftlich ein großes Erbe“, sagte Michael Vassiliadis, Vorsitzender der IG BCE. Die Eckpfeiler des deutschen Bergbaus seien Solidarität, Respekt und Zusammenhalt. „Diese Tugenden wollen wir hier in der Region und auch in ganz Deutschland nicht nur in Erinnerung halten, wir wollen sie auch künftig als Maßstab nehmen.“

Der Strukturwandel im Tecklenburger Land betreffe viele RAG-Anthrazit-Mitarbeiter, sagte Uwe Wobben, Betriebsratsvorsitzender der RAG Anthrazit Ibbenbüren GmbH. „Sie wohnen und leben hier, sind teilweise in dritter oder vierter Generation auf unserer Zeche aktiv. Für sie und die gesamte Region bricht ein wichtiger Arbeitgeber weg. Ein tiefer Einschnitt, den es zu gestalten gilt.“ Die RAG werde den Wandel im Kohlerevier Ibbenbüren weiter begleiten, versicherte auch der RAG-Vorstandsvorsitzende Peter Schrimpf in seiner Ansprache.

Mit der Schließung der Zeche Prosper Haniel in Bottrop wird am 21. Dezember der deutsche Steinkohlenbergbau endgültig eingestellt.

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