Gesetzliche Rentenversicherung

Gutverdiener müssen mehr in die Rentenkasse einzahlen – doch das lohnt sich

Besserverdienende müssen ab Anfang 2016 deutlich mehr Beiträge als bisher in die gesetzliche Rentenkasse einzahlen. Schlimm? Keineswegs. Jeder Cent rentiert sich.

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Sparschwein Rentekasse
22.12.2015
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Wegen der gestiegenen Beitragsbemessungsgrenzen sind 2016 höhere Einkünfte für die Sozialkassen beitragspflichtig. Die Beitragsbemessungsgrenze in der Renten- und Arbeitslosenversicherung steigt 2016 um 200 auf 5.400 Euro im Osten und um 150 auf 6.200 Euro im Westen Deutschlands.

Der Beitragssatz der gesetzlichen Rentenversicherung bleibt unverändert bei 18,7 Prozent. Arbeitnehmer und Arbeitgeber teilen sich diesen Beitrag. Versicherte müssen deshalb 9,35 Prozent ihres Bruttoeinkommens bis zur Beitragsbemessungsgrenze monatlich für ihre gesetzliche Alters- und Hinterbliebenenabsicherung zahlen. Das sind ab Januar 2016 dann für einen gutverdienenden Westdeutschen, der die Beitragsbemessungsgrenze erreicht oder überschreitet, 579,70 Euro im Monat. 2015 waren es noch 565,68 Euro. Aufs Jahr gesehen summiert sich die Beitragszahlung eines Gutverdieners so auf 6.956,40 Euro. Ein stattlicher Betrag – doch lohnt sich das?

Erstaunliche „Rendite“

Mit Renditeberechnungen tut sich die Deutsche Rentenversicherung schwer. Teilweise zu Recht: Denn bei der gesetzlichen Rente kommt es nicht nur darauf an, was im Alter an Altersruhegeld herauskommt. Mit ihren Beiträgen erwerben die Versicherten darüber hinaus – ohne Zusatzbeitrag – ein ganzes Paket von weiteren möglichen Ansprüchen: zum Beispiel auf eine Erwerbsminderungs- oder Hinterbliebenenrente oder Reha-Maßnahmen. Doch man kann natürlich auch eine ganz enge „Renditebrille“ aufsetzen und nur die Altersrente betrachten.

„Die Höhe der Altersrente wird durch verschiedene Faktoren bestimmt. Am wichtigsten sind dabei die im Laufe eines Arbeitslebens erworbenen Entgeltpunkte“, erklärt Dirk von der Heide, Sprecher der Deutschen Rentenversicherung Bund. Ein Entgeltpunkt bringt in den alten Bundesländern derzeit eine monatliche Altersrente von 29,21 Euro. Ab Juli 2016 werden es nach der Rentenerhöhung wohl rund 30,50 Euro sein. Der genaue Wert steht aber noch nicht fest.

Ein Durchschnittsverdiener erwirbt mit seinen Rentenversicherungsbeiträgen in einem Kalenderjahr genau einen Entgeltpunkt. Das Durchschnittsentgelt eines Rentenversicherten ist für 2016 vorläufig auf monatlich 3.022,25 Euro festgesetzt. Das sind 36.267 Euro im Jahr.

Wer ein monatliches Einkommen in Höhe der Betragsbemessungsgrenze erzielt, verdient genau 2,051-mal so viel wie ein Durchschnittsverdiener. Die Rechnung für die damit zu erwerbenden Entgeltpunkte ist ganz einfach: 74.400 Euro (jährliche Betragsbemessungsgrenze) geteilt durch 36.267 Euro (vorläufiges Jahresdurchschnittsverdienst) ergeben 2,051. Ergo kommt ein Besserverdiener bei ganzjähriger Beschäftigung im kommenden Jahr auf 2,051 Entgeltpunkte. Er erwirbt damit einen monatlichen Rentenanspruch in Höhe von 59,92 Euro, ab Juli 2016 werden es rund 62,50 Euro sein.

Vergleichen wir nun Input und Output: Einem jährlichen Beitrag in Höhe von 6956,40 Euro entspricht ab Juli 2016 eine jährliche Rente von etwa (12 x 62,50=) 750 Euro. Das bedeutet: Schon nach weniger als zehn Jahren Rentenbezug amortisiert sich die Einzahlung eines Versicherten in die Rentenkasse. Wer zehn Jahre oder länger lebt, „erwirtschaftet“ bereits eine Rendite, die mit zunehmendem Alter steigt. 

Private Versicherungen halten einem Vergleich nicht stand

Und nun noch ein vergleichender Blick auf die private Sofortrente als Alternative. Wie bereits gesagt, sind Privatrenten natürlich nur eingeschränkt mit der gesetzlichen Rente vergleichbar, weil sie weit weniger bieten: keinen Erwerbsminderungs-, keinen Hinterbliebenenschutz (es sei denn gegen einen Aufpreis) und keine Reha.

Auf dem Internet-Portal Check Sofortrente kann man private Sofortrenten miteinander vergleichen. Wir haben in diesen Vergleichsrechner folgende Daten bei der Suche nach einer einigermaßen vergleichbaren Rente (von etwa 62,50 Euro im Monat) eingegeben:

  • Private Rentenversicherung gegen Einmalzahlung,
  • 63 Jahre bei Versicherungsbeginn,
  • Rentenbeginn in zwei Jahren, Rentenbezug dynamisch (wie bei der gesetzlichen Rentenversicherung) und
  • als Todesfallschutz als Alternative zur Hinterbliebenenrente die Rückzahlung des Kapitals abzüglich gezahlter Renten.

Das Ergebnis ist mehr als ernüchternd: Die beste im Vergleichsportal angezeigte private Versicherungsgesellschaft – die Continentale – bietet eine Monatsrente von 63,02 Euro im Monat. Also in etwa so viel wie die gesetzliche Rentenversicherung. Dafür muss man jedoch nicht knapp 7.000 Euro im Jahr einzahlen, sondern 20.000 Euro. Mit anderen Worten: Bei einer Privatrente muss man fast dreimal so viel investieren, um eine ähnliche Rendite wie die gesetzliche Rentenversicherung zu erzielen.

Ökonomen werden jetzt vielleicht einwenden, dass man den vom Arbeitgeber eingezahlten Beitrag bei der gesetzlichen Rente nicht vernachlässigen darf. Denn letztlich ist dieser auch ein Lohnbestandteil. Doch auch wenn man auch das berücksichtigt, würde sich die Einzahlung in die gesetzliche Rentenkasse (schon) nach etwa 19 Jahren amortisieren. Bei der besten privaten Sofortrente wäre dies erst nach gut 26 Jahren der Fall.

Fazit: Schade dass die Beitragszahlung in der gesetzlichen Rentenversicherung auf die Beitragsbemessungsgrenze begrenzt ist. Beneidenswert sind jedoch die Besserverdienenden, die 2016 mehr in die Rentenkasse einzahlen dürfen. Die höheren Beiträge sind für die Altersvorsorge ein Segen – kein Fluch.

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