Steuern

Steuern sparen bei Handwerkerleistungen

Viele IG-BCE-Mitglieder nutzen Leistungen von Handwerkern. Wer aufpasst, kann dabei Steuernsparen. Das gilt für Hausbesitzer wie für Mieter. Bis zu 1200 Euro Steuerersparnis pro Jahr sind dabei drin.

Lise Gagne/iStock

Wer Handwerkerleistungen für Renovierungs-, Erhaltungs- und Modernisierungsmaßnahmen legal durch einen Handwerksbetrieb oder einen anderen Dienstleister ausführen lässt, kann Steuern sparen. So soll die Schwarzarbeit eingedämmt werden. Voraussetzung ist deshalb, dass die Arbeiten gegen Rechnung ausgeführt und per Überweisung bezahlt werden – und nicht bar.

Wie viel Steuern kann man sparen?

Die tarifliche Einkommensteuer mindert sich »um 20 Prozent der Aufwendungen des Steuerpflichtigen, höchstens jedoch um 1200 Euro«. Dies regelt Paragraf 35 a Absatz 3 des Einkommensteuergesetzes (EStG). Das bedeutet beispielsweise: Wer seine Wohnung renovieren lässt und dafür 6000 Euro an Arbeitskosten zahlt, kann 1200 Euro Steuern sparen. Die Beträge werden nachträglich von der Steuerschuld abgezogen. Wer also für 2016 eigentlich 100 Euro Steuern nachzahlen müsste, aber für dieses Jahr 6000 Euro an Handwerker- Arbeitskosten nachweisen kann, dem werden 1100 Euro Steuern erstattet.

Welche Handwerkerleistungen kann man beim Finanzamt geltend machen?

Viele. Zum Beispiel: Arbeiten an Innenund Außenwänden, am Dach, an der Fassade, an Garagen, Arbeitskosten für das Aufstellen eines Baugerüstes (nicht jedoch Miete und Materialkosten dafür), Dachrinnenreinigung, Gartengestaltung, Gebühren für den Schornsteinfeger oder für die Kontrolle von Blitzschutzanlagen.

Sind auch Reparaturkosten absetzbar?

Das Bundesfinanzministerium gibt in seinem Anwendungsschreiben eine kurze, allerdings nicht abschließende Übersicht, welche Reparaturen steuerbegünstigt sein können. Dies gilt für die »Reparatur von Gegenständen im Haushalt des Steuerpflichtigen (zum Beispiel Waschmaschine, Geschirrspüler, Herd, Fernseher, Personalcomputer und andere)«. Dies trifft allerdings – so das Ministerium – nur zu »soweit es sich um Gegenstände handelt, die in der Hausratversicherung mitversichert werden können«.

Die Einrichtung oder Reparatur eines Computers ist also absetzbar?

Im Prinzip ja. Aber es gibt einen dicken Pferdefuß: Das Gesetz regelt eindeutig: Die Arbeiten müssen im Haushalt des Steuerpflichtigen ausgeführt werden. Diese Formulierung wird vom Bundesfinanzministerum und den Finanzgerichten ganz wörtlich ausgelegt.

Was heißt das zum Beispiel?

Die Gesetzesformulierung brachte jüngst ein Ehepaar, das seine Polstermöbel neu aufarbeiten ließ, um die Steuerermäßigung. Denn die Möbel wurden in der vier Kilometer von der Wohnung des Ehepaares entfernten Werkstatt des beauftragten Polstererunternehmens aufgearbeitet, also nicht direkt im Haushalt der Steuerpflichtigen. Ergo gebe es auch keine Steuerermäßigung, befand das Finanzgericht Rheinland-Pfalz (Az.: 1 K1252/16). Da das Neubeziehen der Polstermöbel »in der Werkstatt der Fa. Raumausstattung P in N stattgefunden « habe, liege ein unmittelbarer räumlicher Zusammenhang zum Haushalt nicht vor. Dass die erbrachte Leistung dem Haushalt der Kläger diene, sei egal.

Reparaturen soll man also zu Hause ausführen lassen?

Genau. Die rheinland-pfälzischen Steuerrichter geben in ihrem Urteil indirekt auch einen Tipp zum Steuersparen: Es hänge von der Entscheidung des Handwerkers ab, »ob er seine Leistung im Haushalt des Kunden oder in seiner Werkstatt erbringen will beziehungsweise kann.« Das Polstern hätte also in der Wohnung des Steuerzahlers durchgeführt werden müssen (falls dies denn möglich war).

Soweit die Regeln zu Handwerkerleistungen, aber was gilt für Dienstleistungen wie Fensterputzen?

Im Haushalt fallen viele Arbeiten an, die Familienmitglieder selbst erledigen wie Kochen, Kehren und Fensterputzen. Wenn man solche Arbeiten an eine Firma oder einen Selbstständigen vergibt, kann man kräftig Steuern sparen – und zwar bis zu 4000 Euro im Jahr. 20 Prozent der Kosten kann man von der Steuer erstattet bekommen. Gefördert werden damit Ausgaben von bis zu 20 000 Euro. Aber auch hier gilt: Steuersparnisse gibt’s nur für das, was im Haushalt oder in ganz engem Zusammenhang damit durchgeführt wird. Von den Ausgaben für einen Catering-Service, der das Essen in die Wohnung bringt, oder für »Essen auf Rädern« erstattet das Finanzamt deshalb keinen Cent. Wer sich dagegen zu einem runden Geburtstag einen Reibekuchen-Service ins Haus bestellt, um seine Gäste zu verköstigen, kann das Finanzamt an den Kosten beteiligen.

Haushaltshilfen anmelden bringt Steuervorteile

Mehr als 300 000 Haushaltshilfen sind inzwischen schon offiziell bei der Minijobzentrale angemeldet. Und es werden immer mehr. Einer der Gründe: Familien, die eine Hilfe als Minijobber anmelden, sparen hierdurch Steuern. Das Finanzamt zahlt dem Haushalt jährlich bis zu 510 Euro zurück – höchstens aber 20 Prozent der Ausgaben. Für legale Haushaltsjobs werden zwar auch Abgaben fällig; doch die Steuerersparnis sorgt unter dem Strich häufig für ein »Plus«. Beispiel: Wer »seiner« Haushaltshilfe für 20 Arbeitsstunden im Monat 250 Euro zahlt, muss hierfür aufs ganze Jahr gesehen zwar 447 Euro an Abgaben zahlen; die Steuerersparnis ist mit 510 Euro aber noch um 63 Euro höher.

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