Rente

Zusätzlich vorsorgen

Ohne Abstriche früher aufs Altenteil? Das geht auch mit der viel geschmähten gesetzlichen Rentenversicherung. Jedenfalls für diejenigen, die das drohende Minus vorab ausgleichen wollen und können. Die "Gesetzliche" bietet für Arbeitnehmer und Frührentner neue Möglichkeiten, ihre Rente zu erhöhen.

Romolo Tavani/fotolia

Freiwillige Einzahlungen in die Rentenversicherung lassen das Altersgeld wachsen. Freiwillige Einzahlungen in die Rentenversicherung lassen das Altersgeld wachsen.

Können Arbeitnehmer überhaupt freiwillig in die gesetzliche Rentenversicherung  einzahlen?

Eigentlich nicht. Doch es gibt eine Hintertür. Sie können frühzeitig beginnen, Rentenabschläge auszugleichen, die beim vorzeitigen Renteneintritt fällig werden. Ein Beispiel: Herbert M., Jahrgang 1967, kann 2030 die Altersrente für langjährig Versicherte vorzeitig erhalten. Dann ist er 63. Regulär kann er erst mit 67 in Altersrente gehen. Der frühe Renteneintritt wird mit einem Rentenminus von 14,4 Prozent bestraft (0,3 Prozent pro Monat des vorzeitigen Eintritts). Wenn er bis 2030 Rentenansprüche von 2000 Euro pro Monat erworben hat, gehen durch die Abschläge 288 Euro ab. Es bleiben also nur 1712 Euro. Die Abschläge gelten lebenslang. Herbert M. kann sie jedoch frühzeitig ausgleichen – ganz oder teilweise.

Wie geht das?

Herbert M. erklärt gegenüber der Rentenversicherung, dass er später vorzeitig in Rente gehen möchte. Und er fragt, was es kostet, das Rentenminus auszugleichen. Neu ist ab dem 1. Juli dieses Jahres, dass die Ausgleichszahlungen schon ab 50 Jahren möglich sind, bisher ging das in der Regel erst ab 55. Herbert M., der im Oktober 50 wird, könnte also schon in diesem Jahr mit Ausgleichszahlungen beginnen.

Und was kostet die Ausgleichszahlung?

Als Faustregel gilt: Wer derzeit ein Jahr »zu früh« in Rente geht und ein Rentenminus von 50 Euro ausgleichen will, muss rund 12 000 Euro einzahlen. Das muss aber nicht auf einen Schlag geschehen. Die Zahlung kann auf einen langen Zeitraum gestreckt werden. Beispielsweise können sechs Jahre lang jeweils 2000 Euro entrichtet werden.

Sind die Ausgleichszahlungen von der Steuer absetzbar?

Ja. Derzeit zu 84 Prozent. Der Prozentsatz steigt künftig bis auf 100 Prozent. Für die Steuer ist es optimal, wenn in den Jahren mit einer hohen Steuerbelastung am meisten gezahlt wird.

Muss man nach Zahlung des Ausgleichs stets vorzeitig in Rente gehen?

Nein. Ob Herbert M. später die Rente tatsächlich mit 63 schon beantragt, ist unerheblich. Wenn er erst später in den Ruhestand geht, bekommt er eben mehr Rente: Aus den Ausgleichszahlungen werden dann zusätzliche Beiträge, die ein entsprechendes Plus bei der späteren Rente bringen. Zurückzahlen lassen kann sich Herbert M. die Ausgleichszahlungen aber nicht.

Und was hat sich für Frührentner geändert?

Sie können seit Anfang 2017 freiwillig Beiträge in die gesetzliche Rentenkasse einzahlen und so ihre Rente noch erhöhen. Möglich ist dies für Vollrentner und bis zum Erreichen des regulären Rentenalters. Gezahlt werden können zwischen 84,15 Euro und knapp 1200 Euro pro Monat. Ideal ist diese Variante für diejenigen, die während des Rentenbezugs – etwa durch eine Erbschaft oder eine ausgezahlte Lebensversicherung – Geld übrig haben. Wer den Höchstbetrag von rund 14 000 Euro im Jahr einzahlt, erhöht dadurch seine spätere monatliche Rente um etwa 64 Euro. Das Rentenplus gibt es dann mit dem Erreichen der regulären Altersgrenze.

Kann man auch für frühere Zeiten freiwillige Beiträge nachzahlen?

Das geht nur in wenigen Ausnahmefällen – etwa für Zeiten des Schul- oder Hochschulbesuchs. Diese zählen für die Rente als sogenannte Anrechnungszeiten – aber erst ab 17. Wer zwischen dem 16. und 17. Lebensjahr zur Schule gegangen ist, hat auf seinem Rentenkonto eine Lücke. Diese kann nachträglich durch freiwillige Beiträge geschlossen werden – bis zum 45. Geburtstag. Es reicht, für die zwölf nicht mit Beiträgen belegten Monate jeweils den Mindestbeitrag von 84,15 Euro zu entrichten. Die Folge: Das Jahr zwischen 16 und 17 zählt dann beispielsweise mit, wenn geprüft wird, ob die für verschiedene Frührenten erforderlichen Versicherungsjahre zusammenkommen. Dadurch kann beispielsweise später ein Anspruch auf die abschlagsfreie Rente für besonders langjährig Versicherte bestehen.

Was sagen die Verbraucherschütze zur »Rendite« der gesetzlichen Rentenversicherung?

Nur Gutes. Zum Ertrag von freiwilligen Beiträgen hat die Zeitschrift »Finanztest« in der Ausgabe 3/2017 aktuelle Berechnungen veröffentlicht. Unterstellt wurde dabei, dass über einen Zeitraum von zehn Jahren – also etwa ab dem 55. Geburtstag – insgesamt 40 000 Euro in die Altersvorsorge investiert werden. Ergebnis: Die gesetzliche Rente schlägt alle Privatrenten um Längen. Wer beispielsweise zehn Jahre lang jährlich je 4000 Euro einzahlt, kann danach bei einer privaten Rürup-Rente mit Hinterbliebenenabsicherung mit einer späteren Monatsrente von 116 Euro rechnen. Bei der gesetzlichen Rente, bei der eine Hinterbliebenenabsicherung obligatorisch ist, kämen demgegenüber 171 Euro heraus. Firmenservice der Rentenversicherung kommt in die Betriebe Wer Fragen zu seiner späteren Rente hat, kann sich einen Termin bei einem Service-Zentrum oder einer Auskunfts- und Beratungsstelle der Deutschen Rentenversicherung geben lassen. Die Beratung kann aber auch im Betrieb stattfinden: bei Betriebssprechtagen, die der Firmenservice der Rentenversicherung anbietet.

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