Tarifeinheit

Gegen die Spaltung der Beschäftigten

„Wer für solidarische Grundwerte steht, bei denen die Starken den Schwachen helfen, der muss für die Tarifeinheit sein“, sagte Alexander Kirchner, Vorsitzender der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) am Dienstag (11. November) vor dem Beirat der IG BCE in Magdeburg. „Ein Streik, der zur Polarisierung und Spaltung der Beschäftigten führt, ist kein guter Streik.“

Stefan Koch

Alexander Kirchner, Vorsitzender der EVG, auf dem Beirat der IG BCE in Magdeburg. "Was heute bei der Bahn passiert, wird Auswirkungen auf die Gewerkschaftslandschaft der Zukunft haben", sagte Alexander Kirchner, Vorsitzender der EVG, auf dem Beirat der IG BCE in Magdeburg.
11.11.2014

„Das Geschäftsmodell der GDL ist, immer in Abgrenzung zur EVG zu handeln“, sagte Kirchner zum derzeitigen Tarifkonflikt bei der Deutschen Bahn. Das mache eine Kooperation schwierig. Dennoch glaube er nicht, dass ein Gesetz zur Tarifeinheit alle Konflikte lösen werde. „Wir müssen eine Diskussion um Werte führen“, sagte der EVG-Chef. „Wir brauchen keine juristische Auseinandersetzung, sondern eine politische.“

„Die Regelung der Tarifeinheit ist – wir wissen es alle – ein heißes Eisen in der Gewerkschaftsbewegung“, sagte Michael Vassiliadis, Vorsitzender der IG BCE. Doch eine gespaltene Arbeitnehmerbewegung sei eine schwache Arbeitnehmerbewegung.

„Wo gesellschaftlich kein Erfolg erreicht werden kann, droht die Radikalisierung“, so Vassiliadis. „Das sehen wir gerade bei den Lokomotivführern, die sich auf einem engstirnigen betriebssyndikalistischen Weg verirrt haben.“

„Als Gewerkschafter gehört es sich eigentlich nicht, sich von Kolleginnen und Kollegen einer streikenden Gewerkschaft zu distanzieren“, sagte Vassiliadis. Es gehe dabei auch nicht um die einzelnen Lokführer, sondern um die GdL-Führung, die nicht verstehe, was sie anrichte: „Es drohen Gerichtsentscheidungen zur Verhältnismäßigkeit von Streiks - das ist das Letzte was Gewerkschaften brauchen können.“

Andrea Nahles und die Große Koalition handeln, so Vassiliadis, im Grundsatz richtig: Organisationskraft müsse am Ende darüber entscheiden, welche Gewerkschaft die Tarifpolitik anführt – solidarisch mit anderen Organisationen im Betrieb.

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