Betriebsvereinbarungen zur Arbeitszeit

Zeit für die Kinder, zum Reisen oder Bücher schreiben

Vertrauen ist gut: darauf setzen die Sozialpartner bei Continental jetzt auch in Arbeitszeitfragen. Konzernbetriebsrat und Unternehmen haben im Oktober eine Betriebsvereinbarung unterzeichnet, die mobiles Arbeiten außerhalb des Büros ohne Einschränkung erlaubt. Außerdem gibt es eine neue Betriebsvereinbarung über „Sabbaticals".

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Eltern eines Kleinkindes können zu dessen Betreuung Elternzeit nehmen.
02.11.2016
  • Von: Sigrid Thomsen

Es gibt für mobiles Arbeiten keine zeitliche Einschränkung: „Die Vereinbarung sieht keine Begrenzung auf eine Anzahl von Wochentagen vor“, erklärt der Konzernbetriebsratsvorsitzende Frank Michael Hell, „das ist neu gegenüber bisher üblichen Regelungen. Doch natürlich muss die Tätigkeit sich dafür eignen.“    

Ob jemand sich für eine ganze Woche kreativer Abgeschiedenheit zurückzieht oder eine Weile nachmittags am Küchentisch arbeitet, darüber befinden Chef oder Chefin und der „mobile“ Kollege. Sie sorgen auch dafür, dass die Einbindung in den betrieblichen Zusammenhang nicht verloren geht und das Arbeiten außerhalb nicht zur Mehrarbeit wird. Auf die Einhaltung von Pausen und Ruhezeiten muss der oder die mobil Arbeitende selbst achten. Auch darauf, dass er beim Telefonieren in der Öffentlichkeit keine Betriebsgeheimnisse preisgibt. „So viel Freiheit braucht Vertrauen – von beiden Seiten“, sagt Frank Michael Hell. „Die Verantwortung liegt bei Mitarbeiter und Führungskraft.“

Die neue Regelung löst vier bisher an einzelnen Standorten geltende Vereinbarungen zum mobilen Arbeiten ab und gilt erstmals für ganz Deutschland. Sie steht grundsätzlich allen offenes sei denn, betriebsbedingte Gründe stünden dagegen. Das Unternehmen will sie sogar exportieren: 2017 sollen in 21 Ländern flexiblere Arbeitsbedingungen eingeführt werden. Das soll dem Wunsch vieler Jüngerer nach Gestaltungsfreiheit bei der Arbeit entgegenkommen und im Gegenzug die Leistungsbereitschaft fördern.

Darauf baut auch die neue Betriebsvereinbarung über „Sabbaticals“. Bisher konnten nur die Beschäftigten eines Unternehmensteils im Automotive-Bereich einen „Sabbat“ einlegen. Ab sofort haben alle Continental-Beschäftigten in Deutschland ein Recht auf unbezahlte Auszeiten bis zu zwölf Monaten, in denen Kinder gehütet, Bücher geschrieben oder Reisen gemacht werden können. Oder auch nichts. Es funktioniert wie ein „verblocktes Teilzeitmodell“, erklärt Frank Michael Hell: „Der Mitarbeitende reduziert sein Gehalt für einen bestimmten Zeitraum, arbeitet aber voll weiter. Was er damit anspart, wird anteilig ausgezahlt während der Freizeitphase.“

Wie gut das allein der Gesundheit tut, hat Astrid Schleicher vom Betriebsrat in Regensburg ausprobiert: „Ich habe schon mehrmals für einen Monat ein Sabbatical in Anspruch genommen“, erzählt die freigestellte Betriebsrätin. „2015 machte das eine 2700 Kilometer weite Reise im VW-Bus nach Italien möglich, dieses Jahr blieb genug Zeit für die Hausrenovierung. In so langen Pausen kann man außerdem erheblich besser den Akku aufladen.“

Wer bis zu drei Monaten wegbleibt, kann auf seinen alten Arbeitsplatz zurückkehren, bei längeren Auszeiten auf einen „gleichwertigen“. Wer aber die Aufgaben inzwischen erledigt, das regelt die Vereinbarung nicht. „Wir erwarten, dass die ausfallende Arbeit ersetzt wird“, mahnt der Konzernbetriebsratsvorsitzende. „Zu einer Arbeitsverdichtung für die verbliebenen Kollegen darf es nicht kommen.“ Ausgenommen vielleicht bei der Betriebsratsarbeit selbst. „Meine Arbeit haben die Kollegen mit gemacht“, berichtet Astrid Schleicher. „Sonst hätte wohl der Arbeitgeber nicht mitgespielt.“

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