Chemie-Tarifrunde 2015

„Letzte Chance für einen Abschluss“

Nach dem Scheitern der dritten Verhandlung in der Tarifrunde Chemie gehen die Beschäftigten in der chemischen Industrie auf die Straße. Rund 4000 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer demonstrierten am Donnerstagmittag (19. März) am Industriepark Frankfurt-Höchst, um ihrem Ärger über die sperrige Haltung der Arbeitgeber Luft zu machen.

Martin Leissl

Chemie-Tarifrunde 2015 Demo Frankfurt

Peter Hausmann, Verhandlungsführer der IG BCE: „In einer so schwierigen Situation steckten die Tarifverhandlungen in der chemischen Industrie seit Jahrzehnten nicht mehr. Verantwortlich dafür sind die Chemie-Arbeitgeber. Was sie in Neuss vorgelegt haben, ist ein Dokument der Ignoranz und Arroganz. Ordentliche Dividenden für Aktionäre, üppige Bonuszahlungen für Manager und 1,6 Prozent für die Beschäftigten? Darin wird eines deutlich: Mangel an Respekt und Wertschätzung gegenüber denjenigen, die mit ihrer Arbeit den wirtschaftlichen Erfolg der Unternehmen erst ermöglichen. Die Konjunktur läuft robust auf hohem Niveau, die chemische Industrie verdient gutes Geld – daran wollen wir unseren fairen Anteil. In Stuttgart besteht die letzte Chance, in freien Verhandlungen doch noch zu einem Abschluss zu kommen. Die wollen wir nutzen. Doch das heißt in Richtung Arbeitgeber vor allem eins: Die 1,6 Prozent müssen weg. Kommt es zu keinem Ergebnis, leiten wir schnell das Schlichtungsverfahren ein. Auch ein Arbeitskampf ist dann nicht mehr ausgeschlossen. Wir sind auf alles vorbereitet.“

Ralf Erkens, Leiter des IG-BCE-Bezirks Rhein-Main: „Die Beschäftigten sind sauer - das zeigt die dritte Kundgebung in Frankfurt und Wiesbaden innerhalb der letzten acht Tage. Alles in allem haben so fast 6000 Menschen für die Tarifforderung der IG BCE friedlich demonstriert. Alleine heute waren 4000 Kolleginnen und Kollegen aus ganz Hessen dabei. Von uns kommt damit die klare Botschaft: Wir sind kampfbereit! Das sollte den Arbeitgebern Warnung genug sein. Ansonsten werden sie nach der nächsten Verhandlungsrunde feststellen, wie sehr sie sich verzockt haben.“

  • Fahnen werden verteilt.
    Foto: 

    Martin Leissl

    Bevor es losgeht, werden alle Teilnehmer mit Fahnen ausgestattet.

  • Loading ...

  • Loading ...

  • Loading ...

  • Loading ...

  • Loading ...

  • Loading ...

1 /

Vanessa Pruss, Vorsitzende der Jugend- und Auszubildendenvertretung Sanofi: „1,6 Prozent Tarifsteigerung – das sind für einen Auszubildenden im ersten Lehrjahr gerade einmal zehn Euro. Das ist frech und respektlos. Und dann sollen wir glauben, dass wir die Zukunft sind? Wir werden nicht zulassen, dass wir als Jugend vergessen werden.“

Nach zwei Verhandlungsrunden ohne Fortschritte legten die Arbeitgeber am 12. März ein Angebot auf den Tisch. Danach sollen die Entgelte nach zwei bis drei Leermonaten um 1,6 Prozent angehoben werden. Die Gesamtlaufzeit beträgt nach Arbeitgebervorstellungen 15 Monate. Außerdem wollen die Arbeitgeber für das Jahr 2016 pro Beschäftigten 200 Euro zusätzlich in den betrieblichen Demografiefonds einzahlen. Die IG BCE wies das Angebot als „Provokation“ zurück. Die Verhandlungen werden am 26. und 27. März in Stuttgart fortgesetzt.

Die Gewerkschaft fordert eine Anhebung der Entgelte um 4,8 Prozent. Außerdem will die Gewerkschaft den Tarifvertrag „Demografie und Lebensarbeitszeit“ weiter entwickeln und den Demografiefonds ausbauen.

Nach oben