Equal Pay Day

Tarifverträge sind für Chancengleichheit unverzichtbar

Im Kampf für eine gerechte Bezahlung von Frauen und Männern sind Betriebsräte und Gewerkschaften unverzichtbar – darauf wies Volker Weber, Landesbezirksleiter der IG BCE, bei einer Veranstaltung an der Goethe-Universität Frankfurt hin. Anlässlich des zehnten Equal Pay Day in Hessen haben sich dort am 17. März Vertreter von Arbeitnehmen, Arbeitgebern, aus Politik und Wissenschaft getroffen. Die von den Gewerkschaften ausgehandelten Tarifverträge unterschieden nicht nach Geschlechtern, Kriterien seien vielmehr Tätigkeit und Stellenbeschreibung. Gleiche Tätigkeiten würden somit gleich bezahlt.

Anne Weinschenk

Diskussionsrundezum Equal Pay Day am 17. März 2017 in Frankfurt

Sorgen bereitet der IG BCE allerdings die Flucht aus Tarifverträgen und der Widerstand gegen Mitbestimmungsrechte, die den Beschäftigten zustehen. Volker Weber: "Wenn in einer Gesellschaft - wie in Deutschland - nur 40 Prozent der Betriebe tarifgebunden sind und nur 60 Prozent einen Betriebsrat haben, dann ist etwas faul, da dies die entscheidenden Kontrollinstanzen sind, die Entgeltunterschiede zwischen Männern und Frauen aufdecken können." Er kritisierte, dass Unternehmen überhaupt aus der Tarifbindung fliehen können. "Wer das tut, muss öffentlich an den Pranger gestellt werden. Hier ist auch die Politik in der Pflicht."

In einem Grußwort erklärte der hessische Arbeitsminister Stefan Grüttner die Bemühungen, die Gleichstellung von Frauen und Männern zu fördern. So verwies er auf die Investitionen in den Bereich Kinderbetreuung, Förderung für Frauen beim beruflichen Wiedereinstieg und auf den Lohnatlas, der auf Initiative des Landes entsteht.

Trotz vieler Bemühungen betrug die Lohnlücke zwischen Frauen und Männern in Deutschland im vergangenen Jahr im Durchschnitt 21 Prozent. In Hessen ist der Unterschied geringer. Wie hoch er ist, soll der Lohnatlas zeigen, den das Institut für Wirtschaft, Arbeit und Kultur (IWAK) der Universität erstellt und der am 16. August vorgestellt werden soll. Erste Zahlen nannte Geschäftsführerin Christa Larsen bereits anlässlich der Veranstaltung. In Wiesbaden etwa beträgt der Abstand zwischen Frauen und Männern 10 Prozent, im hessischen Duchschnitt 14 Prozent.

Die Gründe dafür, dass es die Lohnlücke gibt, sind vielfältig. Selbst wenn gleiche Arbeit gleich bezahlt wird, verdienen Frauen oft weniger dadurch, dass sie in Teilzeit arbeiten oder weil sie eine Familien-Pause nehmen und dadurch weniger gut Karriere machen. "Männer gehen weniger in Teilzeit arbeiten, da sie eher Lohneinbußen und Karriere-Knick befürchten", sagte Volker Weber im Rahmen einer Expertendiskussion. Und forderte, auch Männern dies zu ermöglichen: "Die Frage nach Teilzeitarbeit ist vor allem eine Frage der Chancengleichheit und das ist in den Unternehmen bisher schlecht geregelt."

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