Manteltarif Chemie Ost

Keine Zeit zu verschenken!

Die IG BCE hat die Verhandlungen mit den Arbeitgebern der chemischen Industrie zum Manteltarifvertrag Ost aufgenommen. Konkret sollen die 27.000 Beschäftigten in der chemischen Industrie im Tarifgebiet Nordost 90 Minuten pro Woche weniger arbeiten.

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Keine Zeit zu verschenken

Diese anderthalb Stunden bedeuten mehr Freiräume für innovative Arbeitszeitmodelle: zum Beispiel für bessere Übergänge in die Rente oder flexiblere Möglichkeiten für einen Wechsel zwischen Voll- und Teilzeit. Tarifexperte und Verhandlungsführer Peter Hausmann erklärt: "Wir brauchen Regelungen, mit denen Menschen – auch Schichtarbeiter – bis zum Ende ihres Arbeitslebens gesund bleiben können. Dafür brauchen wir insgesamt mehr Entlastung und mehr Freizeit."

Denn die Arbeitswelt wandelt sich. Der klassische 8-Stunden-Job ist auf dem Rückzug. Nur noch das Ergebnis der Arbeit zählt, und nicht mehr die Zeit, die sie kostet. Auf den ersten Blick bringt das mehr Autonomie und Flexibilität für Beschäftigte. Doch es lässt auch die Grenzen zwischen Arbeit und Privatleben verschwimmen. Das ist langfristig nicht gesund. Moderne Arbeitszeitpolitik orientiert sich nicht nur an den Interessen der Unternehmen, sondern auch an den Bedürfnissen der Beschäftigten – und sie macht gleitende Übergänge zwischen den Lebensphasen möglich.

Tarifexperte Peter Hausmann: "Die Arbeitszeitregelungen aus dem Manteltarifvertrag stammen noch aus den 1970er/1980er Jahren. Die Frage ist, was heute eigentlich Vollzeitarbeit bedeutet? Welche besonderen Regelungen brauchen wir für die Schichtarbeit, die immer mit besonderen Belastungen verbunden ist? Außerdem müssen wir dafür sorgen, dass Freizeit auch Freizeit bleibt. Es kann nicht einfach erwartet werden, dass Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer zunehmend auch in ihrer Freizeit erreichbar sind. Hier brauchen wir besondere Schutzräume. Die Leute müssen selbst bestimmen können, was sie in ihrer Freizeit machen."

Überblick: Was ist bisher passiert?

Die IG BCE hat den bestehenden Manteltarifvertrag Ost mit den Arbeitgebern zum Jahresende gekündigt. Das klingt drastisch, ist aber ein ganz normaler Vorgang in der Tarifpolitik. Wenn eine Partei nicht mehr zufrieden ist und bessere Bedingungen erzielen möchte, wird der Vertrag gekündigt. Viele Tarifverhandlungen beginnen mit der Kündigung eines bestehenden Tarifvertrages.

Was regelt ein Manteltarifvertrag?

Beim Manteltarifvertrag geht es – im Unterschied zum Gehalts- oder Rahmentarifvertrag – nicht um die Höhe von Gehältern oder Gehaltsgruppen. Er wird langfristig abgeschlossen und regelt grundsätzliche, allgemeine Vereinbarungen. Es geht um die Bedingungen, unter denen wir arbeiten: Wie lang sind Probezeit und Kündigungsfristen? Wieviel Urlaub steht den Beschäftigten zu? Ab welchem Tag brauche ich eine Krankmeldung? Wie hoch sind die Zuschläge für Nachtarbeit? Und in unserem Fall wichtig: Wie hoch ist die Wochenarbeitszeit?

Was bedeutet die Kündigung des Manteltarifvertrags für die Beschäftigten?

Erstmal ändert sich für die Beschäftigten gar nichts. Denn gekündigte Tarifverträge wirken nach. Das heißt, der bisherige Manteltarifvertrag gilt solange weiter bis sich die Verhandlungsparteien – IG BCE und Arbeitgeber – auf einen neuen Vertrag geeinigt haben. Für die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer heißt das im konkreten Fall: Ihnen entstehen keinerlei Nachteile. Denn die IG BCE wird einem neuen Tarifvertrag nur zustimmen, wenn es Verbesserungen beim Thema Arbeitszeit gibt.

Wie geht es jetzt weiter?

Ende November beginnen die Verhandlungen zwischen IG BCE und den Arbeitgebern. Bisher haben sich die Arbeitgeber nicht zur Frage der Arbeitszeitverkürzung geäußert. Die IG BCE ist aber zuversichtlich, dass sie die Verhandlungen erfolgreich abschließen wird.

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