IG BCE Hessen-Thüringen erreicht Vereinbarung mit Norsystec

Gut verhandelt: Betrieb zahlt bald Tariflohn

Ein großer Erfolg für den IG-BCE-Landesbezirk Hessen-Thüringen: Die Norsystec GmbH ist zum Mai Mitglied des Arbeitgeberverbandes Kautschuk (ADK) Ost geworden. Für die Beschäftigten zahlt sich das aus. Sie bekommen schrittweise mehr Lohn und zusätzliche Urlaubstage; ab dem Jahr 2020 gilt dann volle Tarifbindung. "Nach langen Verhandlungen haben wir einen Weg gefunden, den man als Win-win-Situation bezeichnen kann", sagte der stellvertretende IG-BCE-Landesbezirksleiter Osman Ulusoy bei einem Treffen im Betrieb in Nohra bei Nordhausen mit Geschäftsführer Sven Vogt und dem thüringischen Wirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee.

Norsystec GmbH

v.r.n.l. Wolfgang Tiefensee, Dr. Sven Vogt, Osman Ulusoy, Matthias Jendricke Foto v.l.n.r.: Wolfgang Tiefensee, Dr. Sven Vogt, Osman Ulusoy, Matthias Jendricke.
25.05.2016
  • Von: Wolfgang Lenders

Verhandlungsziel ist laut Ulusoy gewesen, das Unternehmen finanziell nicht zu sehr zu belasten, gleichzeitig aber anständige Löhne für die Beschäftigten zu erreichen. Das nützt auch der Firma: "Damit, dass man tarifgebunden ist, kann man werben", sagte Geschäftsführer Vogt. Er erhofft sich eine größere Mitarbeiterzufriedenheit und Vorteile in der Gewinnung von Auszubildenden – weil sie eine bessere Entwicklungsperspektive haben. Tiefensee lobte die Übereinkunft: Sie zeige, wie eine positive Entwicklung aussehen könne. Faire Bezahlung sei entscheidend dafür, Menschen für eine Arbeit zu gewinnen und sie halten zu können. Norsystec ist ein positives Beispiel. Doch viel ist noch zu tun. Zurzeit sei er mit mehreren Unternehmen in Thüringen in Verhandlungen, sagte Ulusoy. Und das sei nicht gerade einfach. So wollten mehrere dieser Firmen einen Haustarifvertrag. "Das ist aber nicht das, was wir wollen." Priorität habe es, die Betriebe zur Mitgliedschaft im zuständigen Verband zu bringen — und dann dafür zu sorgen, dass nach Tarifvertrag gezahlt werde. Bestrebungen, die auch im Sinne des Ministers sind. Angesichts von nur 22 Prozent thüringischer Beschäftigter in Tarifbindung sei deutlich "Luft nach oben".

Die zur KKT-Gruppe gehörende Norsystec GmbH stellt Bauteile aus Kunststoff und Leder her, überwiegend für die Automobilindustrie. Ein guter Kunde ist VW, für dessen Tiguan Norsystec zuliefert. Aber auch nach Leipzig gehen viele Teile, beispielsweise für den Porsche Panamera. Gegründet wurde der Betrieb im Jahr 2008, in einem schwierigen wirtschaftlichen Umfeld. Trotzdem entwickelte sich das Geschäft gut. Zugute kam der Firma ihr Standort, der sowohl zu VW-Werken kurze Lieferzeiten ermöglicht als auch zu den Fabriken von Porsche und BMW in Leipzig. Letztere gewann Norsystec letzten Jahren als neue Kunden, ebenso einige andere. Auch das Geschäft mit den bestehenden Kunden ist gewachsen. Das spiegelt sich im Umsatz wider: Im Jahr 2010 lag er um die drei bis vier Millionen Euro, 2016 dürften es um die 20 Millionen Euro werden. Gleichzeitig stieg die Zahl der Beschäftigten von etwa 30 im Jahr 2010 auf rund 125 heute.

Im Wachstum, vor etwa drei Jahren, entschieden sich die Beschäftigten, einen Betriebsrat zu wählen. Andi Seibt war von Anfang an dabei, außerdem ist er Mitglied der Tarifkommission. "Wir wollten einige Dinge durchsetzen, unter anderem Tariflohn", sagt er. Ein Ziel, das nun erreicht ist: Der durchschnittliche Beschäftigte wird nach der fünfjährigen Umstellungsphase fünf Tage zusätzlichen Urlaub pro Jahr haben und um die 400 bis 500 Euro im Monat mehr verdienen. Seibt: "Man merkt, dass die Stimmung jetzt lockerer ist, die Kollegen sind zufriedener. Das spornt an und motiviert."

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